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Kanada könnte bald bis zur Karibik reichen

14..4.2004 (Ottawa):
Kanada und Palmenstrände? Das passt so gar nicht zusammen. Zumindest derzeit noch nicht. Doch das kühle Land in Nordamerika will auch einen Platz an der Sonne - und das könnte schon bald möglich werden. Nämlich dann, wenn demnächst vielleicht die zwei karibischen Inseln Turks und Caicos zu kanadischen Provinzen werden. Diese Idee ist im Begriff, das kanadische Parlament, die Wirtschaftswelt und die Massen sonnenhungriger Bürger zu erobern.

Der konservative Abgeordnete Peter Goldring, selbst ein Mann aus der kühlen Ebene Albertas, ist einer der Vorreiter dieses Gedankens. Er hat eine Bewegung ins Leben gerufen, die für die Aufnahme des Inselarchipels plädiert. Mit einer Petition, der Gründung eines parlamentarischen Freundschaftskomitees und wirtschaftlicher Lobbyarbeit hat die Idee vom Stückchen Land zwischen Haiti und den Bahamas an Dynamik gewonnen.

Die Inseln Turks und Caicos sind der Idee offenbar nicht abgeneigt. Die Regierung sei "sehr interessiert, die Frage mit Kanada zu diskutieren", versicherte Goldring nach einem Gespräch mit dem Ministerpräsidenten des Archipels, Michael Misick. Die Inseln, die derzeit eine britische Kronkolonie mit rund 20.000 Einwohnern sind, haben zu Kanada seit langem eine besondere Beziehung: Bereits 1987 bemühten sich die Inseln um eine Anbindung an das nordamerikanische Land. Das Gesuch wurde allerdings vom kanadischen Außenministerium abgelehnt.

Kanadas Wunsch nach eigenem Territorium in der Karibik geht ins Zeitalter der Kolonien zurück. 1917 forderte der damalige Ministerpräsident Robert Borden, wärmere Gefilde für Kanada zu gewinnen. Die Karibik als Landesteil blieb ein Traum, doch seit den 70er Jahren per Pauschalreise im Flugzeug immerhin ein erreichbares Ferienziel.  Argumente für ihr Ansinnen liefern die Karibikfreunde nur zu gern. "Wir sind eine Handelsnation. Diese Inseln sind zwar ein kleiner Markt, aber sie öffnen die Tür zum Handel mit Kuba, den Bahamas und sogar mit dem nördlichen Teil Lateinamerikas", schwärmt Goldring. Mit bis zu zwei Milliarden kanadischen Dollar (knapp 1,3 Milliarden Euro) beziffert der Abgeordnete den potenziellen Umsatz für Kanadas Wirtschaft. Auch Regierungschef Paul Martin lasse sich für die Karibik-Idee vielleicht erwärmen, meint der liberale Abgeordnete Massimo Pacetti. "Der Ministerpräsident sagte mir: Ich bin nicht dafür, ich bin nicht dagegen. Liefern Sie mir Fakten."

Ehe Kanada vom Nordpol bis in die Karibik reichen kann, sind jedoch noch viele Schritte zurückzulegen. Als erstes müsste London seine Kronkolonien aus der eigenen Obhut entlassen. Außerdem sollen die Bürger der Karibikinseln per Referendum über die Idee entscheiden können. Und wie soll die Vereinigung genau aussehen? Auch darüber müssten sich die Beteiligten einigen. Viele Kanadier ziehen eine Allianz einer Annexion vor. Denn der schale Beigeschmack von Kolonialismus soll dem Unternehmen "Platz an der Sonne" auf keinen Fall anhängen. Früher ging es bei Eroberungen im Süden um Gewürze, Gold und Sklaven, heute also um einen Platz an der Sonne - sanfter Kolonialismus.

Christian Bauschke von der Welt am Sonntag wittert daher auch Morgenluft für wahre deutsche Karibikträume, daher stellt er die Frage: "Und was ist mit uns? Nun, die fünf neuen Länder sind nicht zu verachten. Und die Ostsee wird gut und gern 18 Grad warm. Wir sollten trotzdem größer denken. Mallorca? Müssen wir nicht mehr aufnehmen, gehört uns eh' schon. Aber was wäre mit Kuba als 17. Bundesland? "

Erst mal abwarten, was die Kanadier machen. Jetzt sitzen die Bedenkenträger im Parlament in Ottawa. Typisch. Aber was ein Turks- und Caicosianer ist, der lässt sich nicht ewig bitten. Wie heißt noch der Werbeslogan der Inseln? "Get lost." Das heißt "sich verlieren". Aber auch: "Verzieh dich!"  [rpo, WamS, Hotelkritiken]


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