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Steht das endgültige aus für Schnäppchen Last-Minute-Urlaub bevor?

29.12.2005 (Essen, Hannover):
Wenn sich die Pläne vom Europas größtem Touristikkonzern - der TUI - positiv umsetzen lassen, könnte es bereits in Kürze das endgültige Aus für Last-Minute-Schnäppchen geben. Denn ein neues Konzept für eine Kosteneinsparung bzw. Gewinnmaximierung dürfte auch alle anderen Veranstalter schnell zu dem auf dem Reisemarkt neuem Prinzip wechseln lassen:

Europas größter Reisekonzern TUI plant naemlich eine kleine Revolution. Im Bereich Touristik soll das Geschäft tiefgreifend umgebaut werden. Künftig wollen die Hannoveraner Reisen erst dann einkaufen, wenn dafür Buchungen vorliegen. Das sagte ein TUI-Sprecher Mitte Dezember und bestätigte damit entsprechende Zeitungsberichte. Der Konzern wolle dadurch effizienter werden. Zu den Veränderungen gehöre auch ein neues IT-System. Details wollte der Sprecher nicht nennen.

Das 'Handelsblatt' schrieb, statt wie bisher Millionen von Hotelbetten und Flugzeugplätzen auf Vorrat einzukaufen, werde TUI ab 2007 die einzelnen Teile einer Reise erst bestellen, wenn eine Buchung vorliegt. Mit diesem 'Just-in-time'-Prinzip aus der Autoindustrie wolle TUI-Chef Michael Frenzel das Risiko nicht ausgelasteter Kapazitäten reduzieren. Kern des Projekts unter dem Namen 'Pelikan' sei eine neue IT-Plattform, die einen flexibleren Reisevertrieb nach dem Vorbild der Internetanbieter ermöglichen soll, heißt es in dem Bericht.

Die Umstellung soll eine tagesaktuelle Preissteuerung erlauben und den bisher auf Pauschalurlaub ausgerichteten Konzern im Geschäft mit einzelnen Reisebausteinen nach vorn bringen.

Das würde dazu führen, dass es dann keine Last-Minute-Schnäppchen mehr geben kann, denn ohne Überkapazität im Vorherein georderter Betten keine Angebote. Und wenn dieses Konzept flächendeckend zum Erfolg führt, wird es dann keine Möglichkeit mehr geben, noch kurzfristig deutlich günstiger in Urlaub fahren oder fliegen zu können. Zumindest nicht mehr über die Reiseveranstalter.

Nach Einschätzung von Wirtschafts-Experten aus der Hotelkritiken.de Redaktion müsste es nach aller Wahrscheinlichkeit auch dazu führen, dass Reisen an sich erst einmal teurer werden. Bisher können Hoteliers und z.B. Fluggesellschaften sehr frühzeitig planen, wieviel Geld in die Kassen kommt. Wenn in Zukunft nur noch 'Just-in-Time' die meisten Plätze gekauft werden, führt das zu einer erheblich größeren Unsicherheit bei der Auslastung (und damit den Einnahmen) bei den Dienstleistern vor Ort. Eine größere Einnahmenunsicherheit resultiert aber immer in höheren Preisen, um damit sicher zu stellen, dass man evtl. nicht belegte Betten durch höhere Einnahmen bei den verkauften auffangen kann (bzw. muss).

Sollte es tatsaechlich freie Plätze geben, wäre es dann aber wiederum möglich, dass die Hoteliers kurzfristig die restlichen Plätze dann kostengünstiger an Reiseveranstalter oder aber vielleicht auch in Zukunft direkt an den Kunden bringen könnten um die leeren Betten doch noch zu belegen. Dazu bedarf es dann allerdings auch einer sehr leistungsstarken Technologie, die dann wirklich tagesaktuell den Kunden den gerade aktuell gültigen Preis mitteilt.

Als weitere Folge aus diesen Umstrukturierungen wäre folglich, dass - wenn es überhaupt noch teure gedruckte Kataloge geben sollte - diese auf alle Fälle ohne konkrete Preise an den Mann gelangen müssten. Letztendlich dürften alle diese Neuerungen und Umstellungen nur einen einzigen wirklichen Gewinner hervorbringen: Die Reiseveranstalter und deren Aktionäre. Denn diese entledigen sich Ihrer Planungsunsicherheit auf Kosten der Hoteliers und Fluggesellschaften.

Natürlich könnte es auch einer weiteren Unternehmensart einen neuen Markt öffnen: nämlich den Börsen! Denn ein ständig wechselnder Preis für eine Reise bzw. Hotel hat überraschende Ähnlichkeit mit dem Auf und Ab der Aktienkurse. Je begehrter desto teurer. Und die Börsen verfügen bereits heute über eine lang erprobte und leistungsstarke Technik.

Eine positive Seite hat das Ganze aber auch ggf. für den modernen Geiz ist Geil Verbraucher von heute: Der Jagdinstinkt nach dem besten Zeitpunkt für einen Reisekauf wird geweckt, ganz im Sinne der Spannung bei e-bay kurz vor dem Auktionsende oder den ständig kurz vor dem Herzinfakt stehenden Börsenjunkies. Nur haben sich da schon viele gehörig verzockt...
[Bericht mit Kommentar von Lars Dunker, Hotelkritiken]


 
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