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Reisewarnung für Togo - alle Deutschen sollen das Land verlassen

03.05.2005 (Berlin):
Das Auswärtige Amt in Berlin erneuert die dringende Reisewarnung für das afrikanische Land. Demnach sollen nicht nur keine Reisen mehr nach Togo unternommen werden,  sondern alle Bundesbürger werden dringend aufgefordert, die ehemalige deutsche Kolonie zu verlassen. Es besteht u.U. Lebensgefahr. Neben dem offiziellen Text der Reisewarnung informieren wir Sie auch über weitere Hintergründe:

Togo

Das Auswärtige Amt warnt vor Reisen nach Togo. Aufgrund der umstrittenen Präsidentschaftswahlen vom 24. April 2005 gibt es erhebliche Unruhen im Land. Das Auswärtige Amt fordert alle deutschen Staatsbürgern in Togo zur vorübergehenden Ausreise auf.

Hintergrund:
Der westafrikanische Kleinstaat Togo ist durch eine gefälschte Wahl in eine schwere Krise geraten: Seit den blutigen Zusammenstößen zwischen Regierungs- und Oppositionsanhängern im Anschluss an die Präsidentenwahl vor zehn Tagen ist die Lage angespannt. Deutschland, das Togo zwischen 1884 und 1914 als 'Schutzgebiet' verwaltete, ist unerwartet in den Sog der Krise geraten: Ende vergangener Woche wurde ein Brandanschlag auf das Goethe-Institut in der Hauptstadt Lomé verübt. Menschen kamen nicht zu Schaden.

Es war der erste Anschlag auf ein Goethe-Institut weltweit. Nach dem Übergriff wollte Bundesaußenminister Joschka Fischer gestern mit Uno-Generalsekretär Kofi Annan in New York über eine Lösung der Krise in Togo sprechen. Bereits am Wochenende hatte Fischer den Anschlag auf das Kulturinstitut als 'gesetzlosen Gewaltakt' verurteilt und Aufklärung verlangt. Die weniger als 300 Deutschen, die dauerhaft in Togo leben, wurden am Wochenende aufgefordert, das Land vorübergehend zu verlassen.

Vieles deutet darauf hin, dass hinter dem Anschlag auf das Goethe-Institut staatliche Stellen stehen. So sind die Anhänger der Opposition allenfalls mit Knüppeln und Macheten ausgerüstet. Auch liegt das Goethe-Institut im Stadtzentrum von Lomé, das sich fest in der Hand von Armee und Polizei befindet.

Das togolesische Regime wirft Deutschland seit längerem vor, die Opposition im Land direkt zu unterstützen. Als Indiz wird nun auch angeführt, dass der fristlos entlassene Innenminister Francois Boko vor einigen Tagen in der deutschen Botschaft Zuflucht suchte, weil er um sein Leben fürchtet. Unmittelbar vor seiner Amtsenthebung hatte Boko vor einem Bürgerkrieg in Togo gewarnt, falls die Wahlen entgegen den Wünschen der Opposition schon jetzt stattfinden würden.

Zwar schlüpfte Deutschland wegen seiner Kritik an den chaotischen Verhältnissen in Togo nun in die Rolle des Sündenbocks, doch sind die Beziehungen Lomés zur EU seit langem zerrüttet. Die EU hatte fast alle Kontakte zu Togo vor zwölf Jahren abgebrochen, als der im Februar verstorbene Langzeit-Diktator Gnassingbe Eyadéma erneut eine Wahl gefälscht hatte und dabei, wie auch jetzt, etliche Oppositionelle ums Leben gekommen waren. Sein Sohn Fauré Gnassingbe scheint nun in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. Allerdings scheiterte ein erster Versuch des 39-Jährigen, sich gleich nach dem Tod des Vaters verfassungswidrig zu dessen Nachfolger zu küren. Die dabei angewandten Betrügereien waren derart eklatant, dass selbst die für gewöhnlich träge Afrikanische Union (AU) und die westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft (Ecowas) protestierten und Gnassingbe zum Rücktritt zwangen. Danach versuchte der Diktatorensohn, wie von seinem Vater mehrfach vorgeführt, die Macht durch Wahlfälschung zu erhalten, was auch gelang.

Angesichts der starken Polarisierung besteht kaum Aussicht auf eine rasche Lösung der Krise. Gnassingbe verfügt über einen gut geölten Regierungs- und Sicherheitsapparat und kontrolliert die staatlichen Medien. Der Sohn von Langzeitdiktator Eyadéma war vergangene Woche mit 60 Prozent der Stimmen zum Wahlsieger erklärt worden. Oppositionskandidat Emmanuel Bob Akitani wies das Ergebnis umgehend zurück und erklärte sich selbst zum Präsidenten. 'Nach 38 Jahren ist es an der Zeit, dass dieses Regime ein für allemal verschwindet', sagte Akitani über die Dynastie der Familie Gnassingbe, die heute weite Teile der togolesischen Wirtschaft kontrolliert.

Die Opposition selbst kündigte an, dem Land neue Impulse zu verleihen. Togo leidet vor allem unter dem Rückgang seiner Phosphatausfuhren, die zusammen mit der Baumwolle für rund zwei Drittel seiner Exporte verantwortlich sind. Das Pro-Kopf-Einkommen des Landes gehört mit knapp 400 Dollar pro Jahr zu den niedrigsten der Welt. Nach 37 Jahren Diktatur können kaum 60 Prozent der 5,5 Mill. Togolesen lesen und schreiben. Dass Togo wirtschaftlich nicht weiter zurückgefallen ist, hat es auch den schweren Unruhen in der Elfenbeinküste zu verdanken. Seit dessen faktischer Zweiteilung sucht sich der Transitverkehr neue Wege von der Küste in die Sahelzone am Südrand der Sahara. Dabei kommen Togo nun seine guten Fernstraßen zugute. Auch haben sich viele der im Oktober aus der Elfenbeinküste vertriebenen Franzosen in Lomé angesiedelt.
[AA, Zeit, Hotelkritiken]


 
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