Zurück zur Nachrichtenübersicht                                                     zum Newsarchiv 12 / 2004

      Zur Startseite von Hotelkritiken
 

RIU und Fiesta Hotels haben Aktienanteil der TUI gekauft

16.12.2004 (Düsseldorf, Hannover):
Nachdem die Deutsche Bank den 31,3 prozentigen Anteil der WestLB an Europas größtem Reiseveranstalter erworben hatte, wurde die erste Tranche des TUI-Anteils direkt an ein Konsortium um die spanische Hotelgruppe Riu veräußert. Zuerst hieß es, dass die RIU Hotels - bereits langjähriger Partner der TUI - den größten Anteil daran erhalten haben, was allerdings nicht ganz richtig ist. Die übrigen 14 Prozent wurden im Rahmen eines beschleunigten Bookbuilding-Verfahrens institutionellen Investoren in Europa und den USA angeboten.

Als weitere Interessenten waren die mit Riu konkurrierende Hotelgruppe Lopesan und weitere deutsche und ausländische Investoren im Gespräch gewesen. 'Durch die Veräußerung von TUI ist die geplante Konzentration der WestLB auf das eigentliche Bankgeschäft ein wesentliches Stück voran gekommen', sagte ein Sprecher der WestLB. 

TUI-Chef Michael Frenzel hatte mit der Riu-Gruppe, an der TUI beteiligt ist, bereits vor einigen Monaten über ein Engagement beraten. Der Vorstand bemühte sich, Investoren zu finden, die TUI in seiner heutigen Struktur erhalten wollten und insbesondere die bisherige Strategie als Reiseanbieter mit eigenen Flug- und Hotelgesellschaften fortsetzen würden. Allerdings wollte Riu nicht das gesamte Paket übernehmen. Als Partner fand Riu nach Angaben der Deutschen Bank die drittgrößte spanische Sparkassengruppe Caja de Ahorros del Mediterraneo und die Hotelgruppe Grupo de Empresas Matutes.

Familie Riu nun größter TUI Einzelaktionär

Die spanische Familie Riu hat ihre Beteiligung an der TUI AG letzte Woche nun offiziell gemeldet. Carmen und Luis Riu Güell würden gemeinsam 9,97% der Aktien halten, teilte der Tourismuskonzern. Diese Beteiligung verteile sich auf zwei Gesellschaften mit 7% bzw 2,97%. Das Aktienpaket von 9,97% würde damit dem Festbesitz von TUI zugerechnet. Alle anderen Anteile zählten zum Streubesitz. Neben Riu sind nun im Rahmen des Konsortiums die spanische Sparkassengruppe Caja de Ahorros del Mediterraneo und die Hotelgruppe Grupo de Empresas Matutes - Besitzer der Fiesta und Palladium Hotels - mit gemeinsam rund 7,33% bei TUI engagiert, wobei beide Unternehmen dem Vernehmen nach weniger als 5% des Grundkapitals halten und deswegen ihre Beteiligung dem deutschen Wertpapierhandelsgesetz zufolge nicht anzeigen müssen. Auch bei dem Verkauf an europäische Investoren scheint niemand mehr als 5% der Aktien erworben zu haben. TUI liegt zumindest den weiteren Angaben zufolge keine entsprechende Meldung vor.

Mit der jetzt gefundenen Lösung ist für den TUI-Vorstand die Gefahr gebannt, daß branchenfremde Investoren das Paket erwerben, den TUI-Konzern ausschlachten und Teile veräußern. Zudem ist das Geschäftsmodell durch den Erwerb nicht in Frage gestellt, weil die Familie Riu durch eine Familiengesellschaft 10 Prozent erworben hat. Dadurch werden auch alle Probleme, die sich aus einer Überkreuzbeteiligung ergeben könnten, vermieden. Mit Riu arbeitet TUI schon seit vielenJahren zusammen und hat zwei Beteiligungen.

Die Riu-Gruppe ist die drittgrößte spanische Hotelkette nach Sol Meliá und NH Hoteles. Im Gegensatz zu diesen beiden Konzernen hat Riu den Börsengang stets abgelehnt. Stattdessen ist Riu bereits 1977 eine strategische Partnerschaft mit TUI eingegangen, die in den neunziger Jahren nochmals vertieft wurde. Seitdem sind Riu und TUI jeweils zu 50 Prozent an der Hotelbetriebsgesellschaft Riusa II beteiligt, während die Hotelbesitzgesellschaft Riu Hoteles SA zu 51 Prozent der Familie Riu und nur zu 49 Prozent TUI gehört. Grundgedanke dieser Allianz war stets, daß TUI die Konzernstruktur durch eine rentable Hotelgesellschaft vertikal vertiefen wollte, während Riu durch den Partner die Auslastung der Hotels zu verbessern trachtete. Das hat im großen und ganzen offenbar gut funktioniert, auch wenn Riu inzwischen mit Hotels in der Karibik und im südlichen Teil Nordamerikas eigenständig die Expansion gesucht hat. Der Schwerpunkt der Riu-Gruppe liegt inzwischen nicht mehr auf Mallorca, wo in den fünfziger Jahren das erste eigene Hotel eröffnet wurde, sondern auf den Kanaren. In Europa, Amerika und Nordafrika führt Riu 110 Hotels, der Umsatz lag 2003 bei 780 Millionen Euro.

Zu den neuen spanischen TUI-Gesellschaftern gehört außerdem die Matutes-Gruppe, ein familieneigener Konzern mit Hotels und Baugesellschaften aus Ibiza. Inhaber Abel Matutes war früher auch EU-Kommissar und einige Jahre spanischer Außenminister unter José María Aznar. Weiterer TUI-Gesellschafter ist die Sparkasse CAM aus Alicante. Matutes und CAM haben mit anderen Partnern die ehemalige spanische Staatswerft Trasmediterránea erworben.

Mit dem Erwerb durch die spanischen Hotelgesellschaften und die Bank sind die Spekulationen beseitigt, die sich mehr als ein Jahr um das WestLB-Paket ranken. Im September 2003 mußte Frenzel immer wieder Meldungen dementieren, daß er die Anteile zusammen mit geneigten Investoren selbst übernehmen werde. Zuvor wurden potentielle Investoren genannt, darunter die Geschwister Herz aus Hamburg, die durch den Verkauf von Tchibo-Anteilen mehr als vier Milliarden Euro verfügten. Kaum hatte Herz dementiert, da tauchten die Mutmaßungen über einen Management-Buyout unter Frenzels Führung auf.
[TUI, Deutsche Bank, FAZ, RIU, Hotelkritiken]
 

Quelle: [TUI, Deutsche Bank, FAZ, RIU, Hotelkritiken.de]


 
      Zurück zur Nachrichtenübersicht                                                     zum Newsarchiv 12 / 2004

       Zur Startseite von Hotelkritiken

     
  

HOTELKRITIKEN


BENUTZER


REISETIPPS


REISEBERICHTE


KREUZFAHRT-KRITIKEN


VOR & NACH DER REISE


KONTAKT & FRAGEN