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Pitcairn - die einsame Insel der Meuterer auf der Bounty

29.08.2004 (Auckland, Pitcairn):
The Lodge auf Pitcairn, die derzeit einzige Unterkunft (c) Government.pnPitcairn, jene Insel, die den Meuterern der Bounty einst als Zuflucht gedient hatte, hat ehrgeizige Tourismuspläne. Das meint zumindest der in Auckland residierende Britische Kommissär Leslie Jaques. Das knapp fünf Quadratkilometer große Inselchen hat leider ein kleines Problem: Einen Flughafen gibt es nicht und Linienschiffe steuern das entlegene Eiland nur etwa drei Mal pro Jahr an, um die knapp 50 Bewohner mit lebensnotwendigen Materialien zu versorgen.

Pitcairn verdient sich seit Jahrzehnten ein Zubrot mit dem Verkauf von Souvenirs für vorbeifahrende Schiffe und über einen einst florierenden Handel mit Briefmarken . Da dieses Geschäft in den vergangenen Jahren aber stagnierend war, suchen die Insulaner nach einer Alternative. Auch der Verkauf der landeseigenen Domain mit dem Kürzel .pn schien nicht wirklich die Staatskasse zu füllen. Nun ist erneut der Plan das Eiland für Fremde schmackhaft zu machen, zum Tagesthema auf Pitcairn geworden. 'Es gibt elf endemische Pflanzen auf Pitcairn. Im Vergleich dazu gibt es in Irland nur eine und in Großbritannien drei', so Jaques in einem Interview. Promotet soll natürlich auch das unbewohnte Henderson werden. Diese Insel wurde von der UNESCO zur World Heritage Site ernannt, nicht zuletzt, weil dort seltene Seevögel nisten. Damit sind für den Commissioner bereits die wesentlichen Kriterien für einen erfolgreichen Start in das Unternehmen 'Fremdenverkehr' gegeben.

Das Thema Tourismus ist allerdings in der Geschichte Pitcairns nicht neu. Bereits 2001 verkündete das neuseeländische Baukonsortium Wellesley den Bau eines Flughafens. Damals hieß es, es sollen insgesamt zwei Flughäfen, ein Vier-Sterne-Hotel und zwei Lodges errichtet werden. Wellesley wollte dafür die Exklusivität der Vermarktung, versprach aber den Locals immerhin zehn Prozent des Profits. Im Endeffekt hatten die Pitcairner das Projekt dann aber abgelehnt.

Pitcairn liegt 2.200 Kilometer südöstlich von Tahiti und 1.900 Kilometer westlich der Osterinsel und war 1790 der ideale Zufluchtsort für die Meuterer der Bounty, weil die Insel nicht auf den herkömmlichen Handelsrouten lag. Als die britische Regierung die Fahndung nach den Meuterern aufnahm, waren jene Gejagten, die sich in Tahiti verschanzt hatten die ersten, die am Galgen endeten. Anführer Fletcher Christian hingegen blieb mit seinen Männern von der langen Hand Seiner Majestät verschont. Erst 18 Jahre später konnte der Zufluchtsort Pitcairn ausfindig gemacht werden. Die ersten fünf Jahre herrschte auf Pitcairn allerdings Mord, Inzucht und Hass, da zu wenig Frauen auf der Insel waren. Zehn Jahre nach der Ankunft der Meuterer lebte nur noch John Adams gemeinsam mit neun Frauen und 19 Kindern. Adams erzog die Kinder streng nach puritanischen Sitten. Er starb 65-jährig und ist der einzige Meuterer, der in einem Grab beigesetzt wurde.

Geschichten über die kleine Insel, die mit den drei unbewohnten Inseln Ducie, Oeno und Henderson von Neuseeland aus verwaltet wird, tauchten in den Gazetten der Weltpresse in den vergangenen 100 Jahren eher selten auf. Zuletzt in einem Rechtsstreit über angebliche Unzucht mit Minderjährigen in über 90 Fällen, begangen von sieben Insulanern. Die Briten haben daraufhin beschlossen, eine gerichtliche Untersuchung einzuleiten. Die Pitcairner haben erst im vergangenen Monat kräftig zurückgeschlagen und behauptet, dass ihre Heimat in den vergangenen 214 Jahren (seit der Besiedelung durch die Meuterer) niemals unter britischer Jurisdiktion stand. Daher sei britisches Recht auch nicht anwendbar und das Verfahren sei damit hinfällig.

Die Fotos zeigen 'The Lodge', die derzeit einzige Unterkunft auf Pitcairn. Jeder, der hier übernachtet muss, aus Mangel an Vorräten, seine eigene Verpflegung mitbringen und das Grab von John Adams, dem letzten überlebenden Meuterer der Bounty.
Fotos: Government of Pitcairn, W. Dabrowski

Quelle: [pte, Wolfgang Weitlaner, Hotelkritiken ]


 
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