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Chott el-Djerid - Salzsee

Der zweite Teil unseres Abenteuers beginnt mit dem Weckruf um 4 Uhr morgens. Nach einem reichhaltigen Frühstückbuffet geht es los. Über Kebili fahren wir zum großen Salzsee Chott el-Djerid (auch: Chott el-Jerid). Kurz vor dem Salzsee erleben wir einen herrlichen Sonnenaufgang, der die Salzwüste in ein warmes, goldenes Licht taucht.

Eine der schönsten Routen Tunesiens überquert den Chott el-Djerid, einen unermesslich großen, glänzende Salzsee. Kein anderes Gebiet Tunesiens ist so mit abenteuerlichen Geschichten verbunden wie der 110 x 70 km große Salzsee, der teilweise tiefer als der Meeresspiegel liegt. Schon Karl May beschrieb, wie Ross und Reiter in die mörderische Tiefe gezogen wurde. Nur wenige einheimische Führer kannten die schmalen Pfade, auf denen die trügerische Salzkruste passierbar ist.

Im Sommer ist der „See“ fast ausgetrocknet. Nur ein paar schmale Wasserläufe winden sich zwischen Salzkruste und Salz-/ Sandfläche dahin. Das gelöste Salz färbt das Wasser rostig-rot, am Rand bildet sich eine weiße Salzkruste. Während der Winterregenzeit entsteht eine große Wasserfläche, die dann wirklich die Bezeichnung See verdient. In den letzten Jahren wurden kleine Aussichtshügel aufgeschüttet. Wozu das gut sein soll, weiß niemand. Sicher, um Touristen dafür zahlen zu lassen.

Die Salzkruste, die an der Oberfläche trocken aussieht, ist sehr tückisch. Man beachte die beiden Fußabdrücke. Abseits der Piste sollte man vermeiden, durch die Decke zu brechen und im zähflüssigen Schlamm stecken zu bleiben. Hilfe ist auf der weiten, lebensfeindlichen Ebene nicht zu erwarten.

Wenn sich Salz, Sand und Wasser vermischen, wachsen kristalline Gebilde, die man Wüsten- oder Sandrose nennt. An einem Stand wurden diese „Rosen“ in Natur und eingefärbt verkauft. Hinter dem Stand mit den bunten „Rosen“ sind hellblaue Türen zu sehen…, die haben wir lieber nicht benutzt.

Nach dem Bau der sicheren, ganzjährig befahrbaren Asphaltstraße, die den Chott el-Djerid von Kebili nach Tozeur überquert, kommen nun ganze Karawanen Abenteuer suchender Touristen. Manchmal wird es ganz schön eng aufgrund der vielen Reisebusse, die in verschiedenen Parkbuchten entlang der Piste stehen.
 

Oase - Dattelernte - Chott el-Gharsa

Dann halten wir in einem kleines Nest (namenlos) am Rande des Salzsees, in dem es eine schöne Oase gibt. Hier besteht die Möglichkeit mit der Pferdekutsche durch die Oase zu fahren (fakultativ). Anschließend gibt es noch einen Spaziergang unter dem grünen Blätterdach der Oase. Die Strecke von Douz bis hierher ist ca.82 km lang.

Wir machen also eine Fahrt mit der Pferdekutsche durch die Oase, die wirklich ein üppig-grünes Paradies ist. Der Anbau in der Oase ist in mehrere Stufen gegliedert. Oben die Palmen, darunter Oliven- und Obstbäume und unten niedrige Kulturpflanzen. Uns umgeben, unter dem Schatten spendenden Palmendach, eine wohltuende Ruhe und angenehme Temperaturen.

Die Gruppe wird nach Muttersprache geteilt und ein älterer Herr im bequemen Kaftan erklärt uns auf Deutsch die Dattelernte. Dann erscheint ein kleines Männlein (auch nicht mehr ganz jung), stellt sich an die Palme, zieht die Schuhe aus und klettert barfuss wie ein Äffchen nach oben und macht unterwegs seine Akrobatik.

Mit dem Jeep geht es weiter. Die weiße Fläche gehört zum Chott el-Gharsa, einem weiteren Salzsee.
 

Bergoasen: Chebika

Nur wenig an der Sahara ist faszinierender als ihre Bergoasen! Chebika, Tamerza und Mides heißen die bekanntesten unter ihnen und tragen den bezeichnenden Beinamen "Balkons der Sahara". Häuser krallen sich hier in windiger Höhe entschlossen an den Felswänden fest und hartnäckige Palmen finden, trotz des schroffen Felsgesteins, überall ihre Nischen. Chebika ist eine der drei größeren Siedlungen in Tunesiens südlichstem Winkel. Die Wurzeln der Bergoasen reichen bis in römische Zeit zurück. Sie waren Roms Vorposten am Limes. Chebika hieß damals Ad Speculum. Entlang der heutigen algerischen Grenze standen die Römer per Spiegelsignal mit einander in Verbindung. Später gruben sich Rommels „Wüstenfüchse“ eine Versorgungstrasse durch die unwirtliche Region.

Die wüstenhafte Gebirgsregion des Djebel en-Negueb gehört zu den Ausläufern des Atlasgebirges. Sie ist von tiefen, malerischen Schluchten durchzogen, in denen Palmen wachsen. In den Palmenhainen pflanzen Bauern Obst und Gemüse an.

Heute besteht Chebika nur noch aus verfallenen Lehmhäusern. Auf dem steilen Hang steht ein kleines  Gebäude. Das ist ein Marabout (Grab eines islamischen Heiligen). Marabouts zeugen von der religiösen Bedeutung des Ortes. Hierher zog man sich zurück, um meditierend zu Gott oder Allah zu finden. Die Touristen kraxeln wie Ziegen auf dem geröllartigen Gelände umher, um genug Fotomotive zu erhaschen.

Von hier aus geht es über Serpentinen weiter hinauf. Von der Straße haben wir eine atemberaubende Aussicht auf die Bergregion an der algerischen Grenze.
 

Bergoase Tamerza - Mittag in Metaloui

Wir sind in der zweiten Bergoase in der Nähe von Tamerza angekommen. Hier sprudelt ein kleiner Wasserfall. Der kleine Ort wurde von den Römern "Ad Turres" genannt. Auch er ist längst verlassen. Ein schweres Unwetter hat die Häuser zerstört. Nebenan ist das neue Tamerza entstanden. Es wurde als Kulisse für „Der englische Patient“ genutzt. Aus Zeitmangel können wir weder den Ort Tamerza noch die dritte Bergoase Mides besuchen. Vor uns liegt eine lange Heimfahrt. Mit dem Jeep geht es zurück zu dem kleinen Ort, in dem wir die Oase besucht haben (ca. 56 km), da dort der Reisebus auf uns wartet.

Unterwegs machen wir nur einen Stopp in einem Restaurant in Metaloui, um Mittag zu essen. Der Ort ist nicht sehenswert. Die Landschaft ist scheußlich. Metaloui ist ein Bergbauort, dort gibt es ein großes Phosphatvorkommen. Wenn wir mehr Zeit hätten, könnten wir von hier aus ein weiteres Abenteuer erleben. Eine wildromantische Fahrt mit dem ehemaligen Salonwagen „Lezard Rouge“ (Rote Eidechse) durch die Sedlja-Schlucht. Aber wir müssen Kilometer schrubben, vor uns liegt noch eine weite Strecke bis nach Kairouan (ca. 293 km).
 

heilige Stadt Kairouan: Sidi Oqba-Moschee und mehr

Am Nachmittag haben wir Kairouan erreicht. In der muslimischen Welt gilt Kairouan nach Mekka, Medina und Jerusalem als viertheiligste Stadt und Pilgerziel der Gläubigen in Nordafrika. Hier steht die Sidi-Oqba-Moschee mit ihrem trutzigen, dreifach gestuften Minarett. Leider hat der Muezzin gerade zum Gebet gerufen, deshalb können wir als Nichtgläubige nicht in die Moschee. Für uns bleibt nur der Besuch einer Multimediashow, die uns wissenswertes über die Stadt und den Islam zeigt. Da ich aber später noch einmal in Kairouan war, will ich das hier anfügen.

In Kairouan gibt es viel Sehenswertes. So zum Beispiel die fast kreisrund wirkenden Aghlabidenbecken, die in Wirklichkeit aber 48- bzw. 17-eckig sind. Sie stammen aus dem 9. Jh. und wurden zur Wasserversorgung der von Steppenland umgebenen Stadt Kairouan gebaut. Die Stadt leidet fast das ganze Jahr unter extremer Trockenheit. Ein Aquädukt leitete das Quellwasser einst vom 36 km entfernten Höhenzug des Djebel Cherichera in die Bassins.

Außerdem kann man die Mosquée Zaouia des Sidi Sahab (Barbiermoschee) besuchen. Sie zählt zu den schönsten Moscheen in Nordafrika. Der Legende nach war Sidi Sahab ein Begleiter des Propheten Mohammed und trug immer drei Haare aus Mohammeds Bart bei sich, weshalb er als sein Barbier bezeichnet wurde. Das Minarett aus dem 17. Jh. steht vom Eingang gesehen an der linken Ecke des Hauptinnenhofes. Ein gefliester Bogengang führt in das Innere der Moschee. Die Wände sind mit Kacheln aus Nabeul verkleidet oder mit Stuckornamenten verziert. Manchmal kann man auch Koraninschriften finden.

Der Arkadengang führt in einen zentralen Innenhof. Über dem Eingang zum Schrein des Sidi Sahab stützen Säulen die mit Kacheln verkleidete Fassade. Der Eintritt ist Nichtmuslimen untersagt. Doch durch die Tür kann man einen Blick auf das hellgrüne Tuch über dem Grab werfen. Die Barthaare, die der Gefährte des Propheten mit sich herumgetragen hat, sind mit ihm bestattet. Eines unter der Zunge, eines nahe am Herzen und eines über seinem rechten Arm. Das Heiligtum war ursprünglich, etwa um das 15. Jh. nur ein achteckiger Bau, den eine Mauer umschloss. Das Mausoleum liegt in der Nordwestecke der Anlage und ist von einer Kuppel (1629) gekrönt. Die Zaouia ist schon seit langem ein heiliger Ort für Muslime, bereits im 17. Jh. wurden ein Fondouk (Herberge) für Pilger, eine Islamschule und die Moschee angebaut.

Der Innenraum der Moschee darf von „Ungläubigen“ (Nichtmuslimen) ebenfalls nicht betreten werden. Man hält sich streng an die Vorschriften und  die „Kleiderordnung“: Männer und Frauen müssen ihre Knie und Schultern bedecken – ggf. mit Kaftan.

Die Sidi-Oqba-Moschee gilt als Wahrzeichen der Stadt, sie wurde im Jahr 671 unter Sidi Oqba ibn Nafaa, einem Begleiter des Propheten Mohammed, gegründet und ist die älteste und größte Moschee Tunesiens.  

Von der Straße gibt es zwei Eingänge zur Moschee durch mit weißen Kuppeln bekrönte Tore. Gewaltige Mauern umschließen den Innenhof der Moschee. Im Marmor gepflasterten Innenhof erschließt sich dem Besucher die harmonische Schönheit der Moschee. Der Hof senkt sich zur Mitte, damit Regenwasser in eine Zisterne darunter gelangen kann. Das kunstvolle Ziergitter über dem Abfluss soll Unrat auffangen.

Der Gebetsraum ist für Nichtgläubige tabu. Man kann, mit etwas Glück, durch das offene Portal fotografieren. Im Gebetsraum stehen unzählige Marmorsäulen. Die Gebetsräume für Männer und Frauen sind durch eine Trennwand geteilt. Gegenüber dem Handgeschnitzten Hauptportal (mit Blumenmuster) sind die Bibliothek und die Stelle des Mihrab (der nach Mekka gerichteten Gebetsnische).

Im Säulengang gibt es an einer Säule, die aus Karthago stammen soll, eine Islamische Inschrift: Es gibt keinen Gott außer Allah und Mohammed ist sein Prophet.

Natürlich gibt es in Kairouan auch eine sehenswerte Medina und weitere Moscheen, wie die Mosquée des Trois Portes (die Moschee der drei Tore).
 

Rückfahrt nach Hammamet-Yasmine:

Am späten Nachmittag ging es zurück in Richtung Hammamet-Yasmin. Im Bus kehrte Ruhe ein, die meisten Mitreisenden schliefen oder ließen die vielen Eindrücke der interessanten Reise wirken. Auch der Reiseleiter hing seinen Gedanken nach. Von Kairouan führte der Rückweg zuerst in Richtung Monastir und dann über die Autobahn in die Hotelzone von Hammamet. Nach ca. 140 km sind wir wieder gut in unserem Hotel gelandet.
 

Fazit des Ausfluges:

Ich hoffe, dass mein Reisebericht die Lust geweckt hat, Tunesien zu bereisen. Auf mich machte das Land den Eindruck, wie eine Reise durch die Märchen aus 1001 Nacht.

Nicht umsonst wirbt Tunesien damit: „Ein Mosaik auf Farben und Gefühlen“. Dem kann ich nur zustimmen.
 

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